08.Dezember 2017

„Bildung für Alle"

Die AWO in Sachsen macht sich in Positionspapier für Zugang zum Bildungssystem für geflüchtete Minderjährige stark.

Am kommenden Sonntag, den 10. Dezember 2017, ist der Tag der Menschenrechte. Anlässlich dieses Tages hat das Bündnis aus Verbänden und Institutionen, dem der AWO Landesverband Sachsen e.V. angehört , im Rahmen der heutigen Landespressekonferenz ein Positionspapier veröffentlicht und setzt sich damit für das Recht auf Bildung für Kinder und Jugendliche unabhängig von Aufenthaltsstatus und Wohnort ein. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass 291 Kinder und Jugendliche in Sachsen weder Kindertageseinrichtungen noch Schulen besuchen. Auf Basis der fachlichen Meinungen aus seinen Gliederungen und Einrichtungen hat der AWO Landesverband Sachsen maßgeblich an den Formulierungen des Papiers mitgewirkt. 

 

Foto: Pixabay

Kinder und Jugendliche leben bereits jetzt über Wochen und Monate in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen. Eine solche Unterbringung bedeutet für die Minderjährigen (und Erwachsenen) zunächst komplette Isolation. Es vergeht wertvolle Zeit, in der Kindern und Jugendlichen ihr Menschenrecht auf Bildung vorenthalten wird. Dieses Recht ist in zahlreichen internationalen Abkommen, wie der UN-Kinderrechtskonvention und der Charta der Grundrechte in der Europäischen Union, verankert. Es lässt sich ebenso aus dem Grundgesetz ableiten. So verbietet es die Achtung vor der Menschenwürde, den Zugang zu allgemeinen Bildungseinrichtungen zu verwehren. Nach dem Prinzip der Gleichberechtigung und des Sozialstaats ist ungleichen Chancen bei der Bildungsteilhabe entgegenzuwirken.

Bereits im frühen Kindesalter muss Bildung für Alle beginnen

Dass Kindertageseinrichtungen ebenso für die betroffenen Minderjährigen geöffnet werden müssen, regelt das Gesetz eindeutig und ohne Zweifel. Der Rechtsanspruch auf Besuch einer Kindertageseinrichtung ist einklagbar. "Gerade die frühkindliche Erziehung beeinflusst den späteren Bildungsverlauf ausgesprochen stark. Es sollte keine große Herausforderung sein, die Kinder und Jugendlichen an den Schulen und Kindertageseinrichtungen aufzunehmen." so Christina Koch, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbunds, Landesverband Sachsen e.V.

Kein Extra-Curriculum - Inklusion ins Regelschulsystem!

"Auf keinen Fall sollte eine Sonderbeschulung in der Erstaufnahmeeinrichtung erfolgen, wie es das Kultusministerium derzeit plant." meint Mark Gärtner vom Sächsischen Flüchtlingsrat e.V.. "Die Inklusion ins reguläre Schulsystem verhindert das natürlich. Aber eine Erstaufnahme ist definitiv keine Schule und auch keine Kindertageseinrichtung." so Gärtner. Dass es unter anderem einer zusätzlichen, fachlich fundierten Begleitung bedarf sowie weiterem, geschulten Lehrpersonal, liegt auf der Hand. 

Folgende Unterzeichnende des Positionspapiers treten für den Grundsatz "Bildung für Alle" ein:

  • Arbeiterwohlfahrt Landesverband Sachsen e.V.
  • Antidiskriminierungsbüro Sachsen
  • Ausländerrat e.V.
  • Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Sachsen
  • Bundesfachverband unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge e.V.
  • Dachverband der Sächsischen Migrantenorganisationen e.V.
  • Deutsche Jugend in Europa, Landesverband Sachsen e.V.
  • Deutscher Kinderschutzbund, Landesverband Sachsen e.V.
  • Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag
  • Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Sächsischen Landtag
  • Netzwerk für Demokratie und Courage e.V.
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband Sachsen e.V.
  • Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.

Seit Anfang des Jahres währt nun schon der Prozess, dass entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, damit geflüchtete Minderjährige ihren Schulabschluss machen können - eine Grundvorraussetzung, um danach eine Ausbildung zu beginnen und einen Job zu finden.

http://www.awo-sachsen.de/de/aktuelles/neuigkeiten/2017-03-14-herausforderung-bildung-fuer-junge-gefluechtete-meistern.html

http://www.awo-sachsen.de/de/aktuelles/neuigkeiten/2017-10-13-offener-brief-an-den-ministerpraesidenten-des-freistaates-sachsen---teil-2.html

Zum Positionspapier.

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